Die Evolution der Future Skills von 2020 bis 2025
Autorin: Annette Trenz, Gründerin Trenz Institut – 15 Jahre Führungserfahrung in der IT-Beratung, studierte Informatikerin, Global Thought Leader | Trenz Institut
Nicht neu, aber neuerdings notwendig: Future Skills
Laut dem Future of Jobs Report 2025 des World Economic Forum erwarten Arbeitgeber, dass sich bis 2030 ca. 22% der heutigen formellen Jobs grundlegend verändern werden. Das entspricht fast jedem fünften Job.
Hintergrund dieser Veränderung sind laut WEF fünf Makrotrends – die rasante technologische Entwicklung (allen voran Generative Künstliche Intelligenz), die demografische Entwicklung, die wirtschaftliche Unsicherheit, die geopolitische Fragmentierung und die grüne Transformation.
Der aktuelle Arbeitsmarkt lässt diese Veränderung bereits erahnen, Unternehmen kündigen vorhandene Positionen, weil sie durch Generative KI ersetzt werden. Wir stehen jedoch erst am Anfang, wie dauerhaft, nachhaltig und wertschöpfend dieser Trend ist, bleibt aktuell abzuwarten.
Doch eines ist sicher: mit dem Einzug der Generativen Künstlichen Intelligenz wird die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt und neue Skills, die sogenannten „Future Skills“ rücken mehr und mehr in den Vordergrund.
Im Gespräch mit Führungskräften aus allen Branchen erlebe ich jedoch immer wieder dasselbe Muster: Future Skills werden oftmals noch als Soft-Skill-Poesie abgetan.
Sie scheinen der aktuellen Debatte um Wertschöpfung und um Return-on-Invest in angespannten wirtschaftlichen Zeiten zu weich. Und trotzdem, künftig wird die Qualität der Mensch-Maschine-Interaktion für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sein. Und aus diesem Erfolg lässt sich die Komponente Führung nicht wegdenken.
Die Konstanten: verlässlich wiederkehrend
Analytisches Denken – der unangefochtene Champion
Analytisches Denken wird seit 2020 von mehr Unternehmen als jede andere Fähigkeit als Kernkompetenz betrachtet. Auch in 2025 bleibt es der Skill Nr.1. Bemerkenswert: Trotz KI-Revolution bleibt die menschliche Analysefähigkeit unverzichtbar.
Kreatives Denken – der stille Aufsteiger
Kreatives Denken als Kernkompetenz zeigt die spannendste Entwicklung: Während in 2018 und 2020 jeweils 35% bzw. 38% Abstand zum analytischen Denken lagen, schloss sich ab 2023 diese Lücke spürbar (21 Prozentpunkte). Heute, in 2025, liegt kreatives Denken auf Platz 4 der relevanten Kompetenzen – und wächst deutlich schneller als das analytische Denken.
Die Game-Changer: neue Skills, die plötzlich dominieren
KI & Big Data – von Nische zu Top-Priorität
In 2023 belegte KI & Big Data erstaunlicherweise nur Rang 15 als Kernkompetenz, war aber bereits unter den Top 3 der Trainingsprioritäten.
2025 hat sich das Bild vollkommen gedreht: 87% der Arbeitgeber betrachten diese Kompetenz als den am schnellsten wachsenden Skill. Das ist der explosivste Anstieg aller Skills in der Geschichte des Reports.
Lesen Sie hierzu auch unseren vertiefenden Artikel KI & Big Data – Wenn Technologie Führung verändert.
Resilienz, Flexibilität & Agilität – die Dreifaltigkeit des Überlebens
In 2020, nach dem Auftreten von Covid-19, wurde dieser Punkt erstmals prominent unter „Self-Management Skills“ genannt.
2025 jedoch belegt er Platz 2 der Kernkompetenzen (67%) – ein Anstieg von 17 Prozentpunkten. Hintergrund dürfte die Zeit permanenter Krisen sein, die durch Inflation, die geopolitische Fragmentierung, und der Demokratisierung der Generativen Künstlichen Intelligenz (GenAI) gezeichnet ist. Dies macht dauerhafte Anpassungsfähigkeit sowie persönliche und unternehmerische Resilienz zur Grundvoraussetzung.
Im Trenz Institut sehen wir Resilienz jedoch nicht als oft vermutete Härte, sondern als Betriebssystem moderner Führung. Mehr dazu hier.
Leadership & Social Influence – neu in den Top-Rankings
Mit einem sprunghaften Anstieg von 22 Prozentpunkten hat Leadership & Social Influence es 2025 auf den Platz 3 der Kernkompetenzen geschafft. Warum gerade jetzt? In Zeiten von Unsicherheit und permanenter Disruption brauchen Organisationen Führung, die Orientierung geben – mehr denn je.
Das deckt sich mit dem, was wir in unseren Programmen sehen: Auch Führungskräfte geben erschöpft zu, dass sie nicht alle Antworten haben.
Die Verlierer: Skills im Niedergang
Manuelle Fähigkeiten – erstmals im freien Fall
Während es sich 2023 bereits ahnen ließ, zeigen 2025 die Fähigkeiten Manuelle Geschicklichkeit, Ausdauer und Präzision erstmals einen deutlichen Netto-Rückgang von 24%. Überraschender Absteiger sind auch Zuverlässigkeit, Detailgenauigkeit und Qualitätskontrolle, die deutlich an Bedeutung verloren haben.
Das sind ausgerechnet jene Fähigkeiten, die lange als kennzeichnend für das Label „Made in Germany“ galten. Durch die fortschreitende Digitalisierung und die Entwicklungsgeschwindigkeit der Künstlichen Intelligenz werden Routineaufgaben zunehmend automatisiert – auch in der Qualitätskontrolle.
Die Soft-Skills-Renaissance: Warum KI uns menschlicher macht
Das Paradoxon des KI-Zeitalters: Obwohl Technologie voranschreitet, legen Arbeitgeber zunehmend Wert auf „Soft Skills“, die Unternehmen helfen, adaptiv auf Veränderungen zu reagieren und Teams Orientierung in einer Zeit des Wandels zu geben.
Fazit: Was Anfassungsfähigkeit heute heißt
1. Die Tech-Beschleunigung
KI ist von „wichtig“ zu „existenziell“ geworden. Die Geschwindigkeit ist rasant, mit der Entwicklung ist kaum mitzuhalten. Und trotzdem wird das „Morgen“ nicht langsamer sein, als das „Heute“. Der Umgang mit der Technologie-Geschwindigkeit von Unternehmen, Führungskräften und Menschen ist essentiell und erfordert ein verändertes Organisationsbild.
2. Die Humanisierungs-Gegenbewegung ist keine Soft-Skill-Poesie!
Je mehr Automatisierung, desto wichtiger werden menschliche Fähigkeiten wie Kreativität, Leadership und Empathie. Denn Künstliche Intelligenz ist letztlich keine reine Technologiefragen, sie ist eine Führungsfrage.
3. Die Permanenz der Disruption
Skill-Veränderung ist die „neue Normalität“ – Unternehmen, Organisationen und Menschen müssen dauerhaft lernfähig bleiben. Life-long learning ist mehr als nur ein Buzzword.
Fazit:
Nicht die Stärksten überleben, sondern die Anpassungsfähigsten. In meinen 15 Jahren Arbeit mit Führungsteams sehe ich einen Faktor, der in keinem Report auftaucht: Anpassungsfähigkeit bedeutet technologische Kompetenz + Menschliche Exzellenz + Permanente Lernbereitschaft.
Autorin
Annette Trenz, Gründerin Trenz Institut
Annette Trenz ist Unternehmerin, Strategieberaterin und Expertin für Transformation. Sie verbindet langjährige Führungserfahrung aus der IT-Beratung mit einem klaren Blick für die Anforderungen von morgen. Als Global Thought Leader hat sie Einblick in die technischen Möglichkeiten, als studierte Informatikerin sieht sie sich als Brückenbauer, diese in Wachstum zu wandeln. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit als Gründerin des Trenz Instituts steht die Frage, wie Unternehmen, Führungskräfte und Teams auch unter komplexen und sich ständig verändernden Bedingungen mit KI handlungsfähig bleiben. Mit dem Trenz Institut stärkt sie die Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Mensch, Organisation und Technologie entscheidend sind.

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